Kino-Filmkritik: Elio
Das hätten wir so nicht erwartet. Nicht Elon Musk ist der allererste Mensch im All, der unser Sonnensystem weit hinter sich lässt, sondern – Elio. Im neuen Pixar-Animationsfilm ist Elio ein kleiner netter Junge. Und ein wahrer Nerd noch dazu. Freunde hat er keine, dafür aber eine Augenklappe und ein brennendes Interesse für das Weltall. Er ist ganz fest der Meinung, dass es in den Sternen intelligentes Leben gibt. Gern legt er sich an den Strand und schreibt eine Botschaft für die Aliens in den Sand: Bitte entführt mich!
Elios Eltern sind natürlich tot (na klar, ist ja ein Disney-Film) und so wächst er bei seiner Tante auf. Die arbeitet tatsächlich in geheimer Mission für das Militär und lauscht in das Weltall hinein: Gibt es Aliens wirklich? Als sich die Außerirdischen melden, antwortet aber dummerweise nicht der angesprochene „Führer des Planeten“, sondern – Elio.
Prompt kommt es zu einem riesigen Missverständnis mit den Aliens – und Elio wird als Gesandter der Erde ins All gebeamt.
In einer kreischendbunten Sphäre treffen sich die Gesandten der verschiedensten Planeten, um gemeinsam schräge Cocktails zu trinken und eine gute Zeit zu haben. Denn im Universum scheint alles friedlich zu sein. Jedenfalls bis ein garstiger Alien-Clan in metallener Rüstung das Paradies stürmt und ordentlich herumstänkert.
„Elio“ ist ein kurzweiliger, nett erzählter Science-Fiction-Streifen, der sich an all die vielen kleinen Jungs richtet, deren Begeisterung für ein sonderliches Spezialthema von den Erwachsenen nicht verstanden wird. Wie Elio staunend und mit weit aufgerissenen Augen durch die Sphäre der Aliens wandert, sagt einfach alles: Der Junge ist in seinem persönlichen Paradies angekommen.
Der wahre Held im Film ist allerdings nicht Elio, sondern Gordon. Das ist eine coole Weltraumraupe, die tausend mal lieber mit Elio herumtobt als den Wünschen seines Vaters zu entsprechen. Leider ist Gordons Papa ausgerechnet der Anführer der garstigen Aliens. Er würde Gordon lieber heute als morgen in eine riesige Rüstung stecken, um aus ihm einen skrupellosen und blutrünstigen Warlord zu machen.
Elios und Gordons Freundschaft sorgen schnell für echten intergalaktischen Stress. Da könnte es im Eifer des Gefechts durchaus passieren, dass auf einmal die ganze Erde im Fadenkreuz der kosmischen Invasoren steht, nur weil Elio so gar nichts als Gesandter der Erde taugt.
„Elio“ ist ein sehr netter Animationsfilm mit einer schönen Grafik und ebenfalls sehr netten Aliens. Natürlich ist „nett“ immer ein Attribut, das man als Filmemacher nie im Zusammenhang mit den eigenen Filmen hören möchte. „Elio“ ist eben leider kein Kultfilm, man schaut ihn auch kein zweites oder drittes Mal an. Er hat keinen genialen Plot, keine kultigen Figuren und auch keinen besonders krassen Twist am Ende. Er ist nett – und nach dem Schauen hat man ihn auch schon wieder vergessen.
Das ist etwas betrüblich für Pixar, schließlich ist dies das Filmstudio, das absolute Top-Kultfilme wie „Toy Story“, „Alles steht Kopf“, „Findet Nemo“, „Oben“ oder „Ratatouille“ auf die Kinoleinwand geworfen hat.
„Elio“ wird auch in 3D gezeigt. Die 3D-Effekte sind in Teilen sehr gut und sorgen gerade im All für sehr plastische Szenen. Wir hatten bei der Pressepreview aber mitunter das Gefühl, dass es manchmal zu Unschärfe-Effekten an den falschen Stellen kommt. (CS / Bilder: Disney)
Fazit: 3,5 von 5 Sternen (FSK: 6)
Spieldauer: 99 Minuten
Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=xHvnwth18HE
Dieser Artikel stammt aus „Unser Havelland“ Ausgabe 232 (7/2025).
Kennen Sie schon unsere Gratis-App?
Apple – https://unserhavelland.de/appapple
Android – https://unserhavelland.de/appandroid
Anzeige





