Neuer Gutspark in Falkensee: Gutspark-Begehung zum Tag der Städtebauförderung!
Der Gutspark ist die grüne Lunge von Falkensee. Der Grünstreifen zwischen Bahnhofstraße, Europa-Schule und Saftladen bietet Schatten unter Bäumen, grüne Wiesen und ausreichend Platz für einen schönen Spaziergang. An der Aufenthaltsqualität und am Sicherheitsempfinden der Bürger könnte aber noch gearbeitet werden. Genau das ist jetzt der Plan. Passend zum „Tag der Städtebauförderung“ konnten sich die Falkenseer einen ersten Eindruck von den geplanten Umbaumaßnahmen verschaffen.
Der Gutspark ist eigentlich eine perfekt gelegene grüne Oase mitten im Zentrum von Falkensee. Und dennoch meiden viele Falkenseer den Gutspark – vor allem dann, wenn es dunkel wird. Nun soll der Gutspark ein kräftiges Making-Over erhalten – bereits im dritten Quartal soll es losgehen. Es wird einen neuen Parkplatz an der Bahnhofstraße geben, neue asphaltierte Wege, einen Meeting-Point im Zentrum und viele neue Spielgelegenheiten auf der Höhe des Saftladens.
Wie genau man sich die Änderungen im Gutspark vorstellen kann, darüber informierten Baudezernent Thomas Zylla und Kathrin Pollow als Leiterin der Stadtplanung die Bürger am 10. Mai passend zum „Tag der Städtebauförderung“.
Der „Tag der Städtebauförderung“ findet bundesweit statt. Er folgt dem Motto „Lebendige Orte, starke Gemeinschaften“. In diesem Jahr gab es an die 700 Veranstaltungen und Aktionen in mehr als 600 Kommunen. Auch die Stadt Falkensee hat sich an dieser Gemeinschaftsinitiative vom Bund, von den Ländern, vom Deutschen Städtetag und vom Deutschem Städte- und Gemeindebund beteiligt. Die Verwaltung lud die Bürger zu einem gemeinsamen Spaziergang durch den Gutspark ein. Morgens um zehn Uhr fanden sich etwa 35 interessierte Bürger ein, um herauszufinden, wie das neue „Konzept zur Fortentwicklung des Parks als ortsbildprägender, vielseitig nutzbarer, grüner Stadtraum“ wohl aussehen könnte.
Tatsächlich konnte man bei dem Spaziergang so einiges lernen. Zunächst einmal etwas regionale Geschichte. Thomas Zylla: „Tatsächlich stehen wir gerade auf einem Bodendenkmal. Dieses Bodendenkmal umfasst den mittelalterlichen Ortskern des ehemaligen Dorfes Seegefeld. Das war damals ein Straßendorf mit Gutsbezirk und einer kleinen, im Kern frühgotischen Feldsteinkirche. Im Gutspark befand sich früher eine ausgedehnte Siedlung der Bronze- und der Eisenzeit.“
Ein Gutshaus, im 18. Jahrhundert von der Familie von Ribbeck gebaut und in der Nazizeit als Hauptquartier der NSDAP verwendet, stand kurz hinter dem heutigen Parkplatz mit dem Brunnen. Von diesem Gutshaus ist heute allerdings nichts mehr zu sehen.
Und: Bevor die Ernst-Thälmann-Oberschule gebaut wurde, die heute die Europaschule am Gutspark ist, gab es bereits eine kleine Dorfschule. Sie war in dem Gebäude untergebracht, das heute die Falkenseer Stadtbibliothek beherbergt. Früher gab es an den Seiten des Parks auch sogenannte Kossätenhäuser, in denen die einfachen Landarbeiter gewohnt haben, die für den Gutsbezirk tätig waren. Sie sind aber nach und nach umgewidmet und abgerissen worden.
Thomas Zylla: „Aufgrund der Getreidekrise wurde 1870 aus dem Adelssitz ein gewerblicher Betrieb mit einer Spiritusbrennerei und einer Rindermast. 1888 erwarb der Kaufmann Bernhard Ehlers das Gut. Er begann mit der Parzellierung des Geländes, er gilt ja auch als Initiator der Quartierentwicklung in Falkensee. 1898 kaufte die Deutsche Ansiedlungsbank das Gut, 1929 wurde die Gemeinde Falkensee schließlich per Gesetz Eigentümer. Das Gutshaus ist mit der Zeit immer mehr verfallen. Es wurde 1959/60 abgerissen.“
Obwohl es rund um den Park also große Veränderungen gegeben hatte, blieb der Park an und für sich immer erhalten. Er trug eine Zeit lang den Namen „Park der Jugend“. Thomas Zylla: „Das würde man heute gar nicht mehr sagen, das wäre ja nicht inklusiv, der Gutspark soll ja ein Park für alle Bürger sein.“
Auch die Stadtverwaltung hat wahrgenommen, dass der Gutspark in den letzten Jahren viel zu wenig Aufmerksamkeit bekommen hat. Viele Bürger meiden den Park, vor allem im Dunkeln.
Thomas Zylla: „Um für mehr Aufenthaltsqualität zu sorgen, braucht es Spielplätze, vernünftige Wege und eine gute Beleuchtung. Wir müssen auch über das subjektive Sicherheitsgefühl der Bürger sprechen. Wir haben uns in der Verwaltung gesagt: An den Gutspark müssen wir nun einmal grundsätzlich Hand anlegen. So ist der ‚Masterplan Gutspark‚ entstanden. Es gab bereits im Vorfeld mehrere öffentliche Informationsveranstaltungen und Workshops, bei denen die Bürger ihre ganz eigenen Wünsche einbringen konnten. Wir möchten einen Park schaffen, der diesen Namen auch verdient.“
In die Umgestaltung werden über 2,5 Millionen Euro investiert, die zu maximal zwei Dritteln durch Städtebaufördermittel von Bund und Land gefördert werden.
Wie kann man sich die Umbaumaßnahmen im Gutspark vorstellen? Los geht es mit dem zurzeit noch runden Kopfsteinpflaster-Parkplatz samt zentral gelegenen Brunnen direkt neben der Kirche. Der „Eingang in den Gutspark“ soll komplett neu gestaltet werden. Der zentrale Weg durch den Gutspark wird bis zur Bahnhofstraße weitergezogen, sodass eine klar erkennbare Achse entsteht, die in den Park führt. Rechts kann neben diesem neu asphaltierten Weg weiterhin geparkt werden. Der „Kreisverkehr“-Charakter des Parkplatzes entfällt aber ebenso wie der alte Brunnen: Die Optik am Eingang zum Gutspark ändert sich also elementar.
Die Wege, die zurzeit durch den Gutspark führen, werden alle neu gemacht. Thomas Zylla: „Die drei Hauptwege werden auf einer Breite von 3,50 Metern asphaltiert. Das war ein großer Wunsch der Radfahrer, die die Strecke durch den Gutspark besonders gern nutzen. Die untergeordneten Wege erhalten eine wassergebundene Wegedecke. Der Verlauf der Wege wurde so gewählt, dass wir möglichst viele Bäume erhalten können. Das gelingt aber nicht in jedem Fall. Einige Bäume werden wir fällen müssen.“
Wichtig ist, dass der Gutspark in Zukunft KFZ-frei bleiben soll. Zurzeit wird z.B. das Essen für die Grundschüler der Europaschule noch von der Gutsparkseite aus angeliefert. Thomas Zylla: „In Zukunft soll eine Befahrung des Gutsparks nur noch durch die Feuerwehr möglich sein.“
Ganz vorn am Eingang zum Gutspark stand früher das Gutshaus. Viele Bürger haben sich gewünscht, dass dieses historische Gebäude wieder „sichtbar“ wird. Dieser Wunsch soll tatsächlich umgesetzt werden.
Thomas Zylla: „Wir werden den Grundriss vom Gutshaus wieder sichtbar machen. Wir werden den alten Grundriss mit einer Mauer aus Klinkersteinen in verschiedenen Höhen visualisieren. Zum Teil wird dieser Verlauf des Grundrisses aber nur flach am Boden zu sehen sein, damit man mit dem Rad drüberfahren oder drüberlaufen kann. Im alten Grundriss möchten wir Sitzelemente platzieren, um das alte Gutshaus so wieder zum Treffpunkt werden zu lassen.“
Dort, wo zurzeit die große Buche steht, um deren Stamm herum eine hölzerne Sitzgelegenheit verläuft, ist eine „zentrale Fläche“ geplant, die zum Teil auch mit Holzpodesten ausgestattet wird. Hier laufen in Zukunft alle Wege zusammen. An dieser Stelle sind verschiedene Spielgeräte geplant, hier sollen vor allem die Kinder eine Möglichkeit zum Toben und Spielen finden.
Thomas Zylla: „Kommt man von der Bahnhofstraße in den Gutspark, schaut man auf der rechten Seite auf die rückwärtigen Wände der Werkstätten der sogenannten Handwerkerzeile. Hier arbeiten Möbelrestauratoren und Künstler. Wir führen gerade Gespräche mit den Nutzern, ob nicht die Möglichkeit besteht, dass sie ihre Werkstätten zum Gutspark hin öffnen, um so noch mehr Plätze zur Begegnung zu schaffen.“
Auch im Bereich um den Saftladen soll sich etwas tun. Das Areal am Ende vom Gutspark ist schon heute ein wichtiger Anziehungspunkt für Kinder und vor allem für Jugendliche. „Da geht aber noch mehr“, sagte Thomas Zylla: „Was die Spiel- und Aufenthaltsqualität im Bereich des Saftladens anbelangt, wollen wir in einem zukünftigen Bauabschnitt noch deutlich mehr machen.“
Zunächst einmal muss der überdachte Schuppenbereich weg, wo momentan noch die Fahrräder der Saftladen-Besucher abgestellt werden. Das aktuelle „Blechding“ wirkt zurzeit wie eine störende Mauer, die den Gutspark zerschneidet. Die Fahrradständer würden verlegt werden – auf die andere Seite der Grünfläche. Das öffnet den ganzen Saftladen zum Gutspark hin deutlich.
Vor dem Saftladen soll ein neues Minispielfeld für Fußball und Basketball entstehen, das öffentlich zugänglich ist, aber unter der „sozialen Kontrolle“ vom Saftladen steht. Hinzu kommen ein großes Brettspielfeld, ein Calisthenics Fitnessplatz mit Outdoor-Gerätschaften, verschiedene Sitzgelegenheiten im Freien und eine legale Sprayer-Wand. Thomas Zylla: „Wir möchten das Gelände nicht einzäunen. Wir hoffen darauf, dass die Jugendlichen auch selbst Verantwortung übernehmen und das Areal vor Vandalismus schützen.“
Interessant: Im Nordosten schließt sich noch eine bislang ungenutzte „Potenzialfläche“ an, die bereits der Stadt gehört. Thomas Zylla: „Diese Fläche könnte dem Gutspark zugeschlagen oder für eine Erweiterung des Saftladens verwendet werden. Da müsste man sich nur vorher genau die Nutzungswünsche anschauen. Denn im Zweifelsfall muss der hier zugrunde liegende Bebauungsplan F43 geändert werden. Er weist zurzeit Grünflächen, Weiden und Äcker aus und lässt keine Bebauung zu.“
Wie würde es am Ende mit einem Sicherheitskonzept im Gutspark aussehen? Thomas Zylla: „Es wird hier im öffentlichen Raum keine Kameraüberwachung geben. Aber wir haben ein Bestreifungskonzept. Das Ordnungsamt wird auch im Gutspark präsent ein. Auch das Beleuchtungskonzept wird angepasst. Es wird an den Wegen eine sogenannte Move-Beleuchtung geben, um die Lichtverschmutzung so gering wie möglich zu halten. Läuft man abends durch den Gutspark, werden die Lampen an den Weg die eigene Bewegung erkennen und ihre Leuchtleistung von 30 auf 100 Prozent erhöhen. Das machen wir ja bereits im Geschichtspark so.“ (Text/Fotos: CS – Visualisierungen: Stadt Falkensee)
Dieser Artikel stammt aus „Unser Havelland“ Ausgabe 231 (6/2025).
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