Ketchup & Fries in der Waldschänke am Stößensee: Hier geht niemand hungrig nach Hause!
Was kann man tun, wenn unterwegs der Magen grummelt und der kleine Hunger sich grollend bemerkbar macht? Dann lohnt es sich, kurz bei der nächsten Currywurst-Bude anzuhalten, um sich nach Strich und Faden verwöhnen zu lassen. Aber wo gibt es eigentlich noch eine echte „Bude“? Die Auswahl wird immer kleiner, immer mehr Anbieter geben auf. Umso mehr lohnt es sich, den wenigen Berliner Urgesteinen den Rücken zu stärken, die es noch gibt. In Spandau darf man gern in der „Waldschänke am Stößensee“ einkehren. (ANZEIGE)
Es gab eine Zeit in Berlin, da stand gefühlt an jeder Straßenecke eine Currywurst-Bude. Wer unterwegs Hunger bekam, bestellte sich hier rasch eine Currywurst mit Pommes und einem fluffigen Brötchen zum Ketchup-Stippen – und war anschließend ebenso satt wie glücklich.
Michael Kemmet (64) stammt aus einer alteingesessenen Berliner Currywurst-Sippe. Er sagt: „Meine Familie ist bereits seit 1961 im Currywurst-Geschäft tätig. Seit 1989 mische ich mit. Und seit 2020 betreibe ich gemeinsam mit meinem Partner Andreas Böttcher die ‚Waldschänke am Stößensee‘. Dass die klassischen Buden nach und nach verschwunden sind, hat viele Gründe. Einer davon ist sicherlich das fehlende Verkaufspersonal, das einfach nicht mehr zu finden ist. Ein anderer, dass die Stadt Berlin uns zunehmend die Standorte streicht. Meine Eltern hatten ihren Stand noch zwischen dem Rathaus und dem Amtsgericht Neukölln. Die Bude stand auf öffentlichem Land, da haben meine Eltern nur eine kleine Miete bezahlt. Irgendwann hieß es dann, die Buden sollen alle weg, das Stadtbild muss verschönert werden. Dabei gehören die Buden zu Berlin dazu. Das ist doch der Berliner Charme.“
Die „Waldschänke am Stößensee“ hat einen echten Standort-Vorteil. Die aus rustikalem Holz gebaute Bude liegt direkt an der Spandauer Heerstraße, die von Berlin bis in das umliegende Brandenburg hinein reicht. Zugleich steht sie aber mitten im Wald und damit in der grünen Natur. 46 Plätze gibt es in einem angrenzenden Biergärtchen rechts neben der Bude, auch eine Unisex-Toilette wird für die Gäste angeboten. Zahllose Parkplätze stehen vor Ort zur Verfügung – für alle, die gern am Stößensee spazieren gehen möchten.
Andreas Böttcher (71): „Wir öffnen unsere Bude morgens um halb zehn. Dann sind die Polizei und die Müllabfuhr meist unsere ersten Kunden. Später kommen Autofahrer aus ganz Berlin, die auf der Heerstraße unterwegs sind und Appetit bekommen. Viele unserer Kunden haben etwas mit dem Yachthafen oder dem Bootsanleger unten am Stößensee zu tun. Oder es sind Spaziergänger, die im Hundeauslaufgebiet unterwegs sind. Zurzeit haben wir abends bis 21 Uhr offen, im Winter machen wir bereits um 20 Uhr zu.“
In der Currywurst-Bude wird Tradition und Qualität noch großgeschrieben. Michael Kemmet, dessen Sohn Maurice der Geschäftsführer von „Ketchup & Fries“ ist und dessen Tochter auch oft mit in der Bude arbeitet, um im Verkauf zu unterstützen: „Unsere Currywurst kommt von der Firma Heiser, die wird extra für uns produziert. Entscheidend ist, dass wir die Wurst auf dem Brater auf einer Schicht Schweineschmalz zubereiten, dadurch bekommt sie die perfekte Kruste und einen ganz eigenen Geschmack. Die anderen Buden machen das nicht so. Gott sei Dank, so heben wir uns etwas ab.“
Die große Glaubensfrage beim Currywurst-Essen lautet natürlich auch weiterhin: Mit oder ohne Darm?
Andreas Böttcher: „Michael und ich sagen klar: Mit! Aber wir haben natürlich auch die Currywurst ohne Darm da. Ein Großteil unserer Kunden bestellt sie aber mit Darm. Wichtig sind den Gästen auch die Pommes. Hier verwenden wir nur die dicken Steakhouse-Pommes aus Belgien. Der Geheimtipp: Man muss sie zwei Mal in die Fritteuse geben, damit sie wirklich gut schmecken. Das heißt, dass man sie in der Fritteuse lässt, bis sie fast fertig sind. Dann nimmt man die Pommes heraus und lässt sie vor dem Finale in der Fritteuse noch einmal kurz zur Ruhe kommen.“
Wichtig ist natürlich auch der Ketchup. Michael Kemmet: „Unseren Ketchup machen wir tatsächlich selbst. Das Rezept dafür, das hat sich mein Onkel bereits 1954 einfallen lassen. Seitdem nutzen wir es unverändert. Es ist ein Geheimrezept, man hat uns schon ganz viel Geld dafür geboten. Aber wir geben es nicht heraus. Unser Ketchup ist ein bisschen süß, das schmeckt nicht jedem. Aber 95 Prozent der Kunden lieben unseren Ketchup. Wir setzen einmal in der Woche so um die 400 Liter an. Dann kocht der Ketchup acht Stunden lang, das muss man sich einmal vorstellen.“
Andreas Böttcher: „Zu einer richtigen Currywurst mit dick Ketchup gehört natürlich immer auch ein fluffiges Brötchen zum Stippen. Das liefert uns in zwei Varianten ein Bäcker zu.“
„Pommes Schranke“ mit Ketchup und Mayonnaise ist der Standard. Es gibt aber auch noch hausgemachte Knoblauch-Mayonnaise, warme Käsesoße, rohe oder geschmorte Zwiebeln, Chili-Körner oder Chili-Flocken, die man als Extra bestellen kann.
Wer eine Alternative zur Currywurst sucht, findet in der Waldschänke auch Buletten, Fleischspieße und Schaschlik vor. Auch einen Schweinefiletspieß gibt es. Als Alternative zu den Pommes sollte man einmal den hausgemachten Kartoffel- oder Nudelsalat probieren.
Natürlich darf man sich zum Essen im Biergarten ein kühles Bier bestellen, einen kukki-Cocktail probieren oder einfach ein Wasser oder einem Soft-Drink bestellen. Michael Kemmet: „Viele Gäste schwören auf unsere Fassbrause vom Fass. Gerade bei hohen Temperaturen ist die herrlich erfrischend.“ (Text/Fotos: CS)
Info: Ketchup & Fries in der Waldschänke am Stößensee, Heerstraße 185, 13595 Berlin
Dieser Artikel stammt aus „Unser Havelland“ Ausgabe 232 (7/2025).
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