15. Seifenkistenrennen am Bäckerberg in Schönwalde-Glien: Tollkühne Kinder in ihren rollenden Kisten!
Seifenkistenrennen, so etwas gibt es doch nur noch in uralten Fernsehfilmen von ganz früher. Denkste! Der Verein „VROOM!! Team Havelland e.V.“ aus Schönwalde-Glien lässt seit Jahren selbstgebaute Seifenkisten den Bäckerberg in der Siedlung hinuntersausen. Bis zu 40 Stundenkilometer werden die wackeligen Kisten schnell, die zumindest über ein Lenkrad und eine Bremse verfügen müssen. Die Piloten an Bord waren allesamt mutige Kinder, die so etwas wie Angst anscheinend gar nicht kennen. Bei der 15. Neuauflage des Seifenkistenrennens am 5. Juli gab es erstmals auch ein Bobby-Car-Rennen für die ganz Kleinen.
Benzin im Tank? Brauchen wir nicht! Uns reicht die Erdanziehungskraft völlig aus, um bei einem rasanten Rennen um Pokale und Medaillen mitzumischen. Das dachten sich die Kinder aus Schönwalde-Glien und Umgebung ganz bestimmt, als sie sich für das diesjährige Seifenkistenrennen in der Germanenstraße angemeldet haben.
Das wohl umweltfreundlichste und nachhaltigste Rennen überhaupt findet in Schönwalde-Glien bereits seit knapp zwanzig Jahren statt. Verantwortlich für das rasante Spektakel ist das VROOM!!-Team um Lars Spengeler (www.vroom-online.net). Der erklärte: „Nur während der Corona-Zeit mussten wir das Rennen drei Mal pausieren lassen. Jetzt sind wir wieder regelmäßig am Start. Wir besitzen bereits eine ganze Reihe in der Vergangenheit gebauter Seifenkisten, die sich unsere Fahrer gern ausleihen dürfen. Aber auch in diesem Jahr wurde im Vorfeld wieder begeistert gebastelt, gesägt, geschraubt und gelötet, um neue Seifenkisten zu bauen.“
Das Schönwalder Seifenkistenrennen findet traditionell auf dem Bäckerberg in der Germanenstraße statt. Das geht auch nicht anders, denn der Bäckerberg ist die einzige nennenswerte Erhebung, die der Ort vorweisen kann. Und selbst diese Erhebung reicht nicht ganz aus, um Tempo zu machen. Längst hat das Veranstalterteam eine eigene Rampe gebaut, die mit einem „Fahrstuhl“ ausgestattet ist, um die Karts auf 2,40 Meter Zusatzhöhe zu bringen. Von hier aus rollen die Seifenkisten allein der Schwerkraft folgend 290 Meter lang den Germanenweg hinunter dem Ziel entgegen.
In diesem Jahr fand bereits das 15. Seifenkistenrennen statt – und zwar am 5. Juli. Bei vollem Sonnenschein und zum Glück nicht ganz so heißen Temperaturen kam es vor dem Rennen aber noch zu zwei echten Überraschungen.
So war Lars Klemmer von der E.DIS Netz GmbH vor Ort, um zusammen mit Schönwaldes Bürgermeister Bodo Oehme und dem VROOM!!-Veranstalter Lars Spengeler eine Trafostation direkt am temporären Seifenkisten-Hauptquartier an der Kreuzung Germanenweg und Gotenweg zu würdigen. Die Trafostation wurde nämlich direkt in den Tagen vor dem aktuellen Rennen neu angemalt. Passend zum jährlich wiederkehrenden Event sind nun bunte Motive aus dem Rennen auf der Trafostation abgebildet. Bodo Oehme: „Mit dieser Gestaltung haben wir nun eine schöne Erinnerung an unser traditionelles Seifenkistenrennen, die wir uns das ganze Jahr über ansehen können.“
Überraschung Nummer 2: Erstmals wurde das Seifenkistenrennen um ein Bobby-Car-Rennen erweitert. Mehr als eine Handvoll Knirpse schnallten sich den Helm um, nahmen auf den bunten Plastikgefährten Platz und rollten unter den anfeuernden Rufen ihrer Eltern einen Teil der Strecke herunter. Dabei gab es Karambolagen mit der Seitenbande, frühkindliches Nervenflattern und den einen oder anderen Fast-Unfall bei einem Tempo von maximal fünf Stundenkilometern. Auf alle mutigen Fahrerinnen und Fahrer, die sich auf den Parcours gewagt hatten, warteten goldene Medaillen und eine Süßigkeit.
Streckensprecher Olav Warmbier machte anschließend am Mikrofon Ernst und läutete das 15. Seifenkistenrennen ein. In der Juniorklasse mit Fahrern zwischen 7 und 14 Jahren gingen 18 Kinder an den Start, dabei fast gleich so viele Jungen wie Mädchen. Nach einem Probedurchlauf ohne Wertung wurde es ernst. Vier Läufe standen an, dabei wurde die Zeit vom Start bis zum Ziel gemessen und am Ende addiert. So holte sich Jannis Grella den Sieg mit 118,75 Sekunden.
Zu den Fahrerinnen der Junior-Klasse gehörte auch Mila Kirsch: „Ich bin zehn Jahre alt und schon mehrfach beim Seifenkistenrennen mitgefahren. Dieses Mal war ich bereits zum vierten Mal mit dabei. Angst habe ich keine auf der Rampe. Beim allerersten Mal hatte ich noch ein bisschen Bauchkribbeln. Inzwischen finde ich das Rennen aber nur noch mega spannend. Schwierig ist es, einen guten Start von der Rampe zu erwischen. Und im Ziel muss man ganz schön auf die Bremse treten.“
In der Oldie-Klasse 15 bis 99 Jahre waren dieses Jahr sieben Fahrer am Start. Riaan Moldenhauer holte sich hier den Sieg mit 107,74 Sekunden.
In der Profi- und Speed-Klasse mit einem verschärften Regelwerk kämpften nur noch zwei Fahrer um ordentlich Tempo auf der Strecke, die vom Start bis zum Ziel elf Meter Gefälle hat. Josephine Günsel hängte Tela Moldenhauer mit 104,56 gegen 107,32 Sekunden ab.
Deutlich schwieriger zu bewerten waren die Gefährte der Gaudi-Klasse. Diese Seifenkisten hatte man weniger auf Windschnittigkeit und Tempo hin zusammengeleimt, sondern eher auf Coolness und Einzigartigkeit hin konzipiert. Hier ging es beim Rennen nicht um Tempo, sondern um Beständigkeit: Wem gelang es wohl am besten, die einmal gefahrene Zeit bei den sich anschließenden Durchläufen möglichst exakt beizubehalten? Fünf Fahrer schwangen sich in ihre schwankenden Kisten. Jona Haiden holte sich den Sieg.
Lars Spengeler: „Im Basislager haben wir für die Kinder eine Hüpfburg aufgestellt, es gab ein Kinderschminken und für die ganz Kleinen hatten wir Bauklötzer vorbereitet, mit denen sie spielen konnten. Natürlich gab es auch wieder ein Catering mit Crêpes, gegrillten Würstchen und frisch frittierten Pommes.“
Viele Familien hatten das schöne Wetter am 5. Juli genutzt, um im Schatten rechts und links neben der Strecke an der Absperrung zu stehen, um den vorbeiflitzenden Seifenkistenfahrern zuzuwinken. Eine digitale Tempoanzeige fungierte als informativer „Blitzer“ und zeigte gut sichtbar das Maximaltempo der einzelnen Fahrer an. Mit bis zu 40 Stundenkilometern im Schnitt bretterten die Seifenkisten ins Tal. Über einen ausgehängten QR-Code gelangten die Zuschauer auch in eine Life-Tabelle mit den aktuellen Ergebnissen.
Weiter geht es für das VROOM!!-Team am 2. August mit dem Pappbootrennen am Strandbad. Da basteln verschiedene Teams ein Boot aus Pappe und Klebe, um anschließend zu versuchen, darin trockenen Fußes über das Wasser zu paddeln ohne zu sinken. (Text/Fotos: CS)
Dieser Artikel stammt aus „Unser Havelland“ Ausgabe 233 (8/2025).
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