Brillenspende: „Augenwelten“ suchte neue Besitzer für alte Brillen!
Das Familienunternehmen „Augenwelten“ sorgt bereits in drei Geschäften mit modernen Sehhilfen und professioneller Beratung für den passenden Durchblick bei ihren Kunden. Doch das Mutter-Sohn-Gespann verfügt auch über echten Weitblick und verschließt nicht die Augen vor der Not anderer Menschen. In den letzten Monaten sammelte das Team ausrangierte Brillengestelle, arbeitete sie auf und gab sie am 10. Mai im Verlauf eines Aktionstages gegen eine faire Spende wieder ab. Das gesammelte Geld ging an ein Falkenseer Projekt, das traumatisierten Kindern hilft.
Cornelia Leidel präsentierte freudig ihre neue Errungenschaft, eine Sonnenbrille mit rosa Gläsern. Zuvor hatte sie das Angebot bei der „Augenwelten“-Spendenaktion in der Falkenseer Bahnhofsstraße gründlich in Augenschein genommen. Sie mag einfach die Farbe rosa, erklärte sie. „Aber noch mehr liebe ich Flamingos“, setzte sie nach und zeigte ihr Shirt; ein großer Flamingo zierte es. Sonnenbrillen dagegen trage sie eigentlich eher selten, aber diese hier, die hätte es ihr angetan. Es blieb nicht bei der einen Brille. Cornelia Leidels Ehemann zeigte sich großzügig und kaufte ihr an jenem 10. Mai gleich drei Brillen. Und sich selbst auch eine. Ein schönes Gefühl, sich selbst etwas zu gönnen und dabei Gutes zu tun, befanden beide.
Brillen aller Art wechselten an diesem Tag gegen eine kleine Spende den Besitzer. Etwa ein halbes Jahr lang habe man bei „Augenwelten“ gebrauchte und ausrangierte Brillen gesammelt. „Wir haben die alten Brillen aufgearbeitet, neue Nasenpads angebracht und die Brillen wieder in einen tragbaren Zustand versetzt“, so Janek Wiebeler. Der 28-Jährige ist der Sohn der Inhaberin Heike Eppelmann. Er hat Augenoptik gelernt und studiert derzeit Optometrie. „Ich schreibe gerade an meiner Masterarbeit“, sagte er. Womit er sicher genug zu tun hätte. Doch die Aktion von „Augenwelten“ (www.augenwelten.de), aufbereitete Brillen gegen eine Spende zu tauschen, sei ihm eine Herzensangelegenheit.
Rund 300 Brillengestelle hatte das „Augenwelten“-Team im Vorfeld gesammelt: kleine Brillen, große Brillen, manche eckig, andere rund, manche schlicht, andere sehr bunt. Auch Sonnenbrillen waren dabei – alles Brillen, in die man später neue Gläser in der benötigten Sehstärke einpassen könnte. Alle Brillen hatte man auf dem Innenhof ausgestellt – beim „Anprobieren“ durfte man sich viel Zeit lassen, um bei einer Limo oder einem Sekt zu überlegen, welches der Brillengestelle den Träger wohl besonders gut aussehen lässt. Wer länger für eine Entscheidung brauchte, musste nicht hungern. Indisches Essen gab es bei „Ravi kumar Pandranki“. Der Catering-Service hatte einen Pavillon im Hof aufgebaut.
Beim Aussuchen und Probieren der Brillengestelle half das Optiker-Team um Heike Eppelmann. Auch die Chefin selbst beriet die Kunden, reichte einen Spiegel und führte durch das Brillen-Angebot. Das war gleichzeitig auch eine Art Brillen-Modenschau der letzten 30 bis 40 Jahre. Das eine oder andere Designer-Stück war als echtes Schnäppchen auch mit dabei. Alle Brillen konnten für wenigstens 20 Euro Spende mitgenommen werden.
Das Geld wurde für das Emmi-Pikler-Haus (www.emmi-pikler-haus.de) in Finkenkrug gesammelt. „Hier finden Kinder, die Gewalt erleben mussten, ein Zuhause“, erklärte Janek Wiebeler und weiter: „Wir wollten ein lokales Projekt unterstützen. Das Emmi-Pikler-Haus macht keine Werbung für sich. Im Gegenteil, die Adresse soll zum Schutz der Kinder geheim bleiben. Und damit auch ordentlich etwas zusammenkommt, haben meine Mutter und ich den Spendenbetrag verdoppelt.“
1.716 Euro wurden mit der Aktion eingenommen, Heike Eppelmann und Janek Wiebeler haben den Betrag auf 3.500 Euro aufgerundet. (Text/Foto: Silvia Passow)
Dieser Artikel stammt aus „Unser Havelland“ Ausgabe 231 (6/2025).
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