GRILLNINJAS in der Falkenseer Geschwister-Scholl-Grundschule: Wer sagt, dass gesundes Essen nicht cool sein kann?
Platz da, ab sofort sind die Kinder für den Grill verantwortlich! Zumindest war dies am 19. April der Fall. Da waren die GRILLNINJAS zu Besuch in der Falkenseer Geschwister-Scholl-Grundschule. Grillninja Philipe Scholz zeigte 21 Sechstklässlern, dass eine gesunde und ausgewogene Ernährung auch richtig lecker sein kann. Ganz egal, ob Flammkuchen, Kidneybohnen-Burger oder Obstcrumble: Es durfte ordentlich geschlemmt werden.
Da werden die Eltern der Sechstklässler aus der Falkenseer Geschwister-Scholl-Grundschule (www.gsg-falkensee.de) aber nicht schlecht staunen, wenn demnächst der eigene Nachwuchs beim Grillabend zur Grillzange greift. Denn die Kinder haben gerade erst im Unterricht gelernt, dass es am Grill durchaus eine Alternative zu Nackensteaks und Rostbratwürstchen gibt. Und zwar eine gesunde, fleischarme und nachhaltige.
Seit 2019 sind die GRILLNINJAS (www.grillninjas.de) in ganz Deutschland unterwegs, um die Idee von einer ebenso gesunden wie auch nachhaltigen Ernährung in die Köpfe der Kinder zu tragen. Über 250 Schulen wurden bereits besucht, dabei konnten bislang 5.819 Nachwuchs-Grillninjas ausgebildet werden.
Am 19. April war die Geschwister-Scholl-Grundschule an der Reihe. Für die gemeinnützige Organisation GRILLNINJAS war Philipe Scholz (33) aus Zwickau angereist: „Ich bin ausgebildeter Koch, Schrebergartenbesitzer und Privatgriller. Für die GRILLNINJAS war ich bereits über 60 Mal im Einsatz, in diesem Jahr habe ich schon drei Schulen besucht. Ich finde das Projekt toll. Kinder können gar nicht früh genug ein Küchenmesser in die Hand nehmen und sich mit gesunder Ernährung beschäftigen. Ich bin ein großer Verfechter der veganen und der Bio-Küche. Mir macht es Spaß, den Kindern Rezepte zu zeigen, die wirklich lecker sind. In Falkensee war ich mehr als überrascht, dass die Kinder das Gemüse kannten, was ich mitgebracht habe. Ganz egal, ob Zucchini, Frühlingszwiebel oder Aubergine – die Schüler kannten sich bestens aus. Das ist in Berlin, also in der Großstadt, oft nicht mehr der Fall.“
21 Kinder aus einer sechsten Klasse durfen am 19. April von 9 bis 13 Uhr den Grillmeister spielen. Philipe Scholz hatte im Schulgarten hinter dem Sportplatz der Schule bereits zwei Zelte aufgebaut und ein paar Bänke und Tische platziert. Außerdem standen mehrere Gasgrills bereit.
Veit Spohnholz, Konrektor in der Geschwister-Scholl-Grundschule, schaute den Kindern neugierig bei der „Arbeit“ zu: „Ich grille selbst mit großer Leidenschaft Zuhause. Ich finde es ganz toll, wenn hier eine neue Grillgeneration angelernt wird.“
Ninja Philipe Scholz zeigte jedenfalls von der ersten Sekunde an, dass er vor 21 Grundschülern nicht in die Knie geht. Er hatte das Heft des Handelns fest in der Hand und gab den Kindern klare Anweisungen. Im Nu waren die Rezepte ausgeteilt – und die Schüler fingen mit Schnippeln, Rühren und Kneten an, um die Gerichte des Tages vorzubereiten.
Es gab einen vegetarischen Flammkuchen vom Pizzastein mit ganz viel knackigem Gemüse, einen bunten Kidneybohnen-Burger, der ebenfalls komplett auf Fleisch verzichtete, und ein Obstcrumble mit selbstgemachter Frucht-Eiscreme.
Philipe Scholz: „Wir GRILLNINJAS nutzen alle die gleichen Rezepte. Die Zutaten werden alle frisch kurz vor dem Event eingekauft. Damit auch wirklich alle satt werden, habe ich noch ein paar vegetarische Würstchen organisiert und eine große Metallschale mit Grillgemüse – inklusive Brokkoli und grünem Spargel – auf den Grill gestellt.“
Das, was die GRILLNINJAS zusammen mit den Schulen auf die Beine stellen, gilt nicht als Freizeitaktivität, sondern als echter Bildungsunterricht. Und das zu Recht. Wenn man den Kindern bei der Arbeit zuschaut, bemerkt man, dass viele von ihnen zum ersten Mal Gemüse schneiden – und noch recht unbeholfen sind. Es ist mehr als wünschenswert, dass der Nachwuchs schon früh ein paar „Küchen-Skills“ lernt – und die Familie vielleicht beim nächsten Grillevent mit einem leichten vegetarischen Flammkuchen überrascht.
Philipe Scholz: „Wir müssen vegetarische Alternativen zum klassischen Steak schaffen. Unser Fleisch auf dem Grill wird zunehmend unbezahlbar. Und es ist auch nicht nachhaltig.“
Der lustige Koch mit seinen vielen lockeren Sprüchen hatte die Kinder in seinem „Grillkurs“ schnell auf seiner Seite. Er sorgte auch dafür, dass sich der Nachwuchs geistig nicht überanstrengen musste. Als die Schüler überlegen mussten, wie sie von einem 250-Gramm-Butterstück die benötigten 150 Gramm abschneiden, gab er sofort eine Anweisung, die jeder gute Koch verinnerlicht hat: „Butter kann man nie genug nehmen. Haut das ganze Stück rein.“
Generell sind Mengenangaben in der Küche eh immer nur Empfehlungen. Beim Umgang mit geräuchertem Paprika sagte er: „Schüttet das in die Masse, bis ich Stopp sage. Sonst schmeckt das wie eingeschlafene Füße.“
Alex (12) war begeistert: „Es macht viel Spaß, selbst das Gemüse zu schneiden und alles mit den Händen umzurühren. Auch, dass wir selbst grillen dürfen, ist toll. Zuhause helfe ich auch manchmal in der Küche. Mit meinem Papa habe ich schon mal Spaghetti Bolognese gemacht.“
Damit die als gemeinnützig anerkannten GRILLNINJAS mit den Kindern einen ebenso tollen wie lehrreichen Tag verleben können, muss Geld fließen. Die Kosten für den Bildungsunterricht übernehmen Sponsoren. Im Havelland ist das einmal mehr die Mittelbrandenburgische Sparkasse, die jeden Event mit etwa 2.000 Euro unterstützt. Stefanie Baars von der MBS nutzte die Gelegenheit auch gleich, um den Kindern bei ihrer Grillvorbereitung über die Schulter zu schauen. Als Geschenk für die Kinder hatte sie außerdem noch Brotbüchsen und einen Taschengeldplaner der Sparkasse mit dabei: „Es ist schön zu sehen, wie viel Spaß die Kinder haben. Und es sieht auch lecker und gesund aus, was sie da zubereiten. Eine tolle Abwechslung zum Schulalltag.“
Kristina Scheibe, Schulleiterin der Geschwister-Scholl-Grundschule mit 495 Kindern, zeigte sich vom neuen „Kollegen“ sehr begeistert: „Der Philipe hat alles sehr gut im Griff und eine gute Ansprache an die Kinder. Er hat auch immer ein wachsames Auge, damit niemand mit einem Messer herumfuchtelt oder dem heißen Grill zu nahe kommt. Ganz nebenbei ging es bei dem Event auch um die Mülltrennung, das finde ich sehr gut. Und Philipe hat die Kinder in der Pause dazu angehalten, das benutzte Geschirr zu spülen, das gehört nämlich auch mit zum Kochen dazu. Das alles hat einen echten Bezug zur Lebenswelt der Kinder, das ist echtes Lernen durch Tun. Ich durfte selbst alles probieren und fand das Essen sehr lecker. Den Flammkuchen werden wir Zuhause gleich nachmachen. Und dass der Burger ohne Fleisch so lecker schmeckt, hätte ich nicht gedacht.“
Froh war die Schulleiterin auch darüber: „Es wurde Zeit, dass wir uns nach der Corona-Zeit endlich wieder für solche Angebote öffnen dürfen und auf diese Weise über unseren Tellerrand schauen können.“ (Text/Fotos: CS)
Dieser Artikel stammt aus „Unser Havelland“ Ausgabe 206 (5/2023).
Kennen Sie schon unsere Gratis-App?
Apple – https://unserhavelland.de/appapple
Android – https://unserhavelland.de/appandroid
Anzeige















































